Interview mit Tobias Möllney, Pressesprecher bei St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH, zum Generationenprojekt „Herbstresidenz
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit VOX und Vitamedia? Warum wurde das Altenheim in Bernkastel-Kues für den Dreh ausgewählt?
„Vitamedia kam im Herbst 2023 mit einer Projektidee auf uns zu. Die Produktionsfirma suchte ein Pflegeheim für eine neue VOX-Doku und war dabei auf uns gestoßen. Wir haben unser Altenzentrum St. Nikolaus in Bernkastel-Kues als Drehort vorgeschlagen und die Projektidee gemeinsam weiterentwickelt. In dem Altenzentrum wollten wir nach erfolgreichem An- und Umbau ein neues Konzept umsetzen – und haben zugestimmt, dass die dortigen Veränderungen und Umgestaltungen mit der Kamera dokumentarisch begleitet werden. Wir hatten von Anfang an Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Vitamedia, deren Arbeit wir von der VOX-Doku „Zum Schwarzwälder Hirsch – eine außergewöhnliche Küchencrew und Tim Mälzer“ her kannten. Entscheidend war auch, dass Einrichtungsleiter Manfred Kappes und sein Team Lust auf das Projekt haben.“
Was hat Sie an dem Projekt und an der Idee des Generationenprojekts überzeugt? Wo lagen eventuell Herausforderungen?
„Wir sind offen für innovative Ideen und neue Impulse, weil wir unsere Angebote für Menschen im Alter und Menschen mit Behinderung weiterentwickeln möchten. Das Projekt verbindet mit der Altenhilfe und der Behindertenhilfe zwei Bereiche, in denen wir als Unternehmen aktiv sind. Das war und ist für uns sehr interessant. Das Projekt bot uns die Möglichkeit, neben dem Altenzentrum St. Nikolaus weitere Einrichtungen und Dienste einzubringen. So kümmerte sich das Weiterbildungszentrum an der Pflegeschule Daun, an der wir als Unternehmen beteiligt sind, um die schulische Ausbildung und Anleitung der teilnehmenden Menschen mit Beeinträchtigung. Mitarbeitende unserer Mobilen Inklusiven Assistenz (MIA) im Kreis Bernkastel-Wittlich begleiteten die Teilnehmenden außerhalb ihrer Arbeitszeit.
Die beiden großen Ziele des Projekts gleichermaßen zu erreichen, war eine Herausforderung. Zum einen ging es darum, das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner im Altenzentrum weiter zu verbessern, zum anderen darum, den Menschen mit Beeinträchtigung eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“
Worin liegt Ihrer Meinung nach aktuell die größte Herausforderung in der Pflege – und kann das Projekt „Herbstresidenz“ hier helfen?
„In der Altenpflege fehlt es nicht nur an Personal, sondern oftmals auch an Zeit bei der Betreuung der Seniorinnen und Senioren. Hier kann das Projekt helfen. Es zeigt, wie Menschen mit Beeinträchtigung bei der Aktivierung und Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner unterstützen und dadurch das Pflege- und Betreuungspersonal entlasten können. Sie fördern zugleich die Gemeinschaft und helfen dabei, das personalintensive Hausgemeinschaftskonzept in verkleinerten Wohngruppen umzusetzen. Durch die gezielte Qualifizierung zu Alltagshelfern eröffnen sich ihnen zahlreiche Tätigkeitsfelder in den Bereichen Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft.“
Wie lautet ihr Fazit zum Generationenprojekt „Herbstresidenz“ – ist es gelungen? Würden oder haben Sie schon das Generationenprojekt „Herbstresidenz“ auch anderen Einrichtungen der Caritas empfehlen?
„Wir ziehen ein positives Fazit. Neun Menschen mit Beeinträchtigung haben im Altenzentrum St. Nikolaus die Qualifizierung zu Alltagshelfern erfolgreich absolviert und das Angebot erhalten, auch über das Projekt hinaus in der Einrichtung zu arbeiten und gemeinsam den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gestalten.
Durch den Einsatz dieser zusätzlichen Mitarbeitenden konnte zwar der Personalbedarf in der Einrichtung nicht reduziert, jedoch das Pflege- und Betreuungspersonal entlastet sowie das neue Hausgemeinschaftskonzept unterstützt werden. Die Umsetzung des Konzepts kann durch den Einsatz dieser Mitarbeitenden besser gelingen.
Wie eng das Altenzentrum St. Nikolaus inzwischen mit dem Projekt verbunden ist, zeigt auch die Umbenennung der Einrichtung in Caritashaus Herbstresidenz zum 1. Februar 2025.
Aufgrund der guten Erfahrungen im Altenzentrum St. Nikolaus haben wir Anfang des Jahres ein weiteres Projekt in unserem Altenzentrum St. Johannes in Mayen gestartet. Hier arbeiten aktuell acht Beschäftigte mit Beeinträchtigung aus unseren Caritas Werkstätten und werden vom Weiterbildungszentrum an der Pflegeschule Daun ausgebildet und angeleitet.“
Halten Sie das Projekt für zukunftsfähig und wird die Caritas es als Role Model nutzen, um die Idee des Generationenprojekts auch deutschlandweit auszuweiten? Haben Sie bereits positive Rückmeldungen zu dem Projekt erhalten?
„Besonders gefreut haben wir uns beispielsweise über den Pflegepreis Rheinland-Pfalz 2024, den das Altenzentrum St. Nikolaus und das Weiterbildungszentrum an der Pflegeschule Daun für das Gemeinschaftsprojekt erhalten haben. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis in der Kategorie „Berufliche Integration schwerbehinderter Menschen in der Pflege“ wurde vom Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz gestiftet. Die Preisverleihung fand am 9. Oktober 2024 im Rahmen des rheinland-pfälzischen Pflegetags in der Rheingoldhalle in Mainz statt. Die Menschen mit Beeinträchtigung aus unserem Altenzentrum St. Nikolaus waren natürlich mit dabei.“