Drohnenangriffe, Spionage in deutschen Parteien und gezielte Desinformation: Berichte, dass Russland Deutschland und andere westliche Staaten mit unterschiedlichen hybriden Methoden angreift und dabei zunehmend auch auf sogenannte „Wegwerfagenten“ setzt, gibt es nahezu täglich. Sind wir darauf vorbereitet? Wer wird wofür angeworben? Und wer zieht in Russland die Fäden? Ein Jahr lang recherchiert ein RTL-Team für stern Investigativ unter aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen undercover in einem Netzwerk zur Rekrutierung von Wegwerfagenten. Sie schleusen sich außerdem in die prorussische Influencer-Szene ein und dokumentieren, wie Desinformation ihren Weg in Millionen Social-Media-Feeds findet. Die gesamte stern Investigativ-Reportage „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ zeigt RTL heute um 20:15 Uhr.
Auf Social Media, vor allem TikTok, verbreiten Tausende Accounts prorussische Narrative. Inhalte werden vielfach kopiert, neu hochgeladen und mitunter mithilfe Künstlicher Intelligenz produziert. Wer steckt hinter solchen Accounts? Und warum verbreiten sie diese Inhalte? Reporterin Angelique Geray baut über Monate eine zweite digitale Identität auf: Als vermeintlich prorussische Influencerin „Katja“ versucht sie, Reichweite aufzubauen und Kontakte zu knüpfen.
Schon nach kurzer Zeit landet Katjas Profil auf dem Radar von Jovica Jović, einer der größten Namen in der prorussischen Szene in Deutschland mit rund 35.000 Followern auf TikTok. Er ist Mitglied im Bündnis Sahra Wagenknecht. Die Rechercheplattform correctiv identifizierte Jović als einen der Ersten, die im Rahmen der großangelegten Desinformationskampagne „Storm-1516“ ein gefälschtes Video über den FDP-Politiker Markus Faber verbreiteten. Als „Katja“ telefoniert die Reporterin zunächst mit Jović und vereinbart schließlich ein Treffen. Beim Abendessen und auf der Fahrt dahin spricht Jović nicht nur gern über seine prorussischen Aktivitäten, er deutet auch an, dass der russische Geheimdienst bei der Propaganda-Maschine womöglich auch eine Rolle spielen könnte. So sagt er zunächst: „Ich sag jetzt nicht, dass der russische Geheimdienst mitmacht, weil ich tue jetzt dumm.“ Auf die konkrete Frage, ob der russische Geheimdienst hinter der Kampagne stecke, antwortet er im Folgenden: „Das weiß man ja nicht. Also ich weiß es nicht – theoretisch. Praktisch weiß ich es.“ In einem späteren offenen Interview mit der Reporterin bestreitet Jović Verbindungen zum russischen Geheimdienst. Auch seine Beteiligung an der Desinformationskampagne weist er zurück und betont, ihm ginge es um Aufklärungsarbeit. Das BSW teilt auf Anfrage mit: „Herr Jovic ist einfaches Mitglied des BSW ohne jegliche Funktion“ und weiter: „Wir werden der Sache selbstverständlich nachgehen.“
Für die Recherche spricht das RTL-Reporterteam außerdem mit Experten und trifft in Litauen einen angeklagten mutmaßlichen Wegwerfagenten. In Russlands Nachbarland Estland untersucht das Team, wie das Land auf Angriffe und veränderte Strategien reagiert. Zudem trifft es Rüstungsmanager Stefan Thumann zum exklusiven Interview.
Mehr Infos zur Recherche gibt es hier sowie hier zum exklusiven Interview mit Stefan Thumann.