Die „Herbstresidenz“ ist nach dem „Schwarzwälder Hirsch“ bereits dein zweites TV-Projekt mit Tim Mälzer, in dem ihr euch einem sozialen Thema widmet. Warum hast du an dem Generationenprojekt „Herbstresidenz“ teilgenommen, was hat dich überzeugt?
In erster Linie aus durchaus „egoistischen“ Gründen: Ich wünsche mir eine bessere Welt für meine Tochter mit Behinderung – eine Welt, in der Inklusion nicht nur ein Schlagwort ist, sondern gelebt wird. Mit dem „Schwarzwälder Hirsch“ haben wir gesehen, was möglich ist: welche Wirkung Sichtbarkeit entfalten kann und wie real Veränderung werden kann.
Gleichzeitig habe ich mir als Sohn, der seine Eltern recht früh verloren hat, und als Vater von vier Kindern immer wieder die Frage gestellt: Wie würde ich meine Eltern pflegen? Wie will ich eigentlich alt werden? Wie sieht mein Leben aus, wenn ich eines Tages selbst auf Pflege angewiesen bin?
Diese beiden sehr persönlichen Auseinandersetzungen haben mich extrem stark motiviert.
Die vierteilige Doku-Reihe ist mittlerweile vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Deutschen Fernsehpreis. Was konnte das Projekt aus deiner Sicht bis heute erreichen?
Weitaus mehr, als ich jemals zu träumen gewagt hätte. Die St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH setzt unser Konzept – oder große Teile davon – inzwischen in allen ihren Einrichtungen in Rheinland-Pfalz um. Viele Pflegeheime haben sich inspirieren lassen und eigene Ideen daraus entwickelt und immer mehr Menschen mit Behinderung arbeiten in der Pflege.
Vor allem aber haben wir das Leben vieler Menschen nachhaltig und positiv verändert.
Besonders beeindruckend war für mich: Ich habe inzwischen vor und mit hunderten Fachkräften aus der Pflegebranche gesprochen – und nahezu alle waren begeistert. Es gab kaum Kritik. Das zeigt mir, dass wir offenbar einen Nerv getroffen haben, ohne belehrend zu sein und - auch ein wichtiger Punkt: ohne hohe Kosten zu verursachen.
Was war aus deiner Sicht die größte Herausforderung des Generationenprojekts? Was hat dich positiv überrascht?
Die größte Herausforderung war, uns in bestehende Strukturen einzuarbeiten und dabei das Pflegepersonal mitzunehmen – trotz unserer „Fernseh-Fuzzi-Attitüde“ und dem ständigen Balancieren auf dem Tellerrand, immer nach dem Motto: „Ey, lass einfach mal machen.“
Das ist uns nicht immer gelungen und hat weitere wichtige Lern- und Denkprozesse angestoßen.
Die größte positive Überraschung war die Einfachheit vieler Lösungen. Es waren oft die kleinen Dinge, die die bahnbrechendsten Veränderungen bewirkt haben: Ein „Du“ anstatt ein „Sie“ und man ist der Idee eines Zuhauses ein großes Stück näher. Tische zusammenschieben und plötzlich verändert sich das Zusammenleben grundlegend. Eine Schiffstour auf der Mosel – und das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner bekommt neuen Sinn.
Alles mit der simplen Grundidee: Wir bringen zwei Gruppen zusammen, die gesellschaftlich oft übersehen werden, und verändern damit den Blick auf Inklusion und Altenpflege nachhaltig.
Im März gibt es nochmal ein Wiedersehen mit der „Herbstresidenz“ bei VOX – in der Folge „Herbstresidenz – Ein Jahr danach“. Was erwartet die Zuschauer?
Lachen und Tränen sind wieder garantiert. Es gibt ein Wiedersehen mit unseren Auszubildenden, mit einigen unserer Seniorinnen und Senioren und eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was haben wir erreicht? Was hat funktioniert, was nicht? Und woran müssen wir weiter „schrauben“? So viel sei verraten: Unser Projekt ist deutlich nachhaltiger, als viele es für möglich gehalten haben – und teilweise auch für möglich halten wollten.