Lina und Joshua Kimmich engagieren sich als Projektpaten der "Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e.V." für den Bau eines Kinderschutzhauses in München. - ein gemeinsames Projekt der Glaub An Dich Stiftung und dem Kinderschutzbund München. +++ Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet. +++
Foto: RTL / Martina Feicht / Glaub An Dich Stiftung.
Foto: RTL / Martina Feicht / Glaub An Dich Stiftung.
„Es gibt eine Geschichte, die mich sehr beschäftigt. Das waren Geschwister, ein Junge und ein Mädchen. Sie sind bei ihren Eltern im Keller aufgewachsen, in einem dunklen Raum, ohne Licht. Sie waren noch nie draußen. Sie waren vier und sechs Jahre alt und konnten noch nicht einmal sprechen.“ Als Lina Kimmich von diesem Schicksal erzählt, stockt ihr die Stimme. „Das ist unvorstellbar. Dass es so etwas wirklich gibt. Und dass es das auch in Deutschland gibt.“
Es sind Geschichten, die kaum vorstellbar sind. Und doch passieren sie mitten unter uns. Kinder, die massiv vernachlässigt werden. Kinder, die schwere Gewalt erleben. Kinder, die über Jahre missbraucht werden. Kinder, die sofort aus ihren Familien herausgeholt werden müssen, weil ihr Wohl akut gefährdet ist.
Genau für diese Kinder setzen sich der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft und seine Frau Lina, selbst Eltern von vier Kindern, ein. Als Projektpaten der „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ und mit ihrer eigenen „Glaub An Dich Stiftung“ kämpfen sie für den Bau eines neuen Kinderschutzhauses in München. In dem Haus, das vom Kinderschutzbund München betrieben werden wird, sollen Kinder einen sicheren Ort finden, wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern bleiben können.
„Als wir von dem Thema Inobhutnahmen gehört haben, war uns ziemlich schnell klar, dass wir genau so etwas unterstützen wollen“, sagt Joshua Kimmich. „Wenn man dann hört, was diese Kinder teilweise zu Hause durchmachen, kann man sich das eigentlich gar nicht richtig vorstellen. Das ist hart. Aber gleichzeitig merkt man sofort: Hier wird Hilfe wirklich dringend gebraucht.“
„Das ist unfassbar, was da passiert“
Besonders erschüttert Lina Kimmich das Schicksal der Geschwister aus dem Keller: „Für mich ist das nicht vorstellbar, dass so etwas Kindern angetan wird.“ Auch ein weiterer Fall lässt sie nicht los: Eine Mutter erfuhr durch ein Gespräch mit ihrer zehnjährigen Tochter, dass das Mädchen seit Jahren vom eigenen Vater missbraucht wurde. „Das ist unfassbar, was da passiert und man bekommt diese Dinge überhaupt nicht mit“, sagt Lina Kimmich. Für Joshua Kimmich ist das Projekt auch deshalb so wichtig, weil das Leid vieler Kinder unsichtbar bleibt. „Wir kannten das Thema vorher selbst nicht. Erst als wir uns damit beschäftigt haben, haben wir gespürt und gemerkt, wie wichtig es ist, hier zu unterstützen.“
Viel zu wenig Platz für Kinder in Not
Das neue Kinderschutzhaus soll Kindern Schutz geben, wenn alles andere zusammenbricht. Einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen. Einen Ort mit Sicherheit, Struktur, Zuwendung und einer neuen Perspektive. „Der Bedarf ist einfach so groß“, sagt Lina Kimmich. „Für jedes einzelne Kind ist so ein Platz wichtig, weil es zu Hause Gewalt erlebt oder vernachlässigt wird. Aber es gibt viel zu wenig Schutzhäuser, zu wenig Einrichtungen und zu wenig Platz für diese Kinder. Und eigentlich müssten noch viel mehr von ihnen aus ihren Familien genommen werden. Und am Ende leiden genau die Kinder darunter, dass sie bei ihren Familien bleiben müssen, weil es zu wenig Einrichtungen und zu wenig Raum gibt.“ Joshua Kimmich ergänzt: „Es ist traurig zu sehen, dass man in vielen Fällen eben nicht helfen kann, weil entsprechend die benötigten Plätze fehlen. Und es ist schon sehr frustrierend zu sehen, dass wir es in einem Land wie Deutschland nicht hinbekommen, genügend Plätze und Möglichkeiten für diese Kinder zu schaffen.“
„Die Kinder sind nicht schuld“
Lina und Joshua Kimmich wissen: Viele Kinder schämen sich für das, was sie erleben mussten. Viele glauben, sie hätten selbst etwas falsch gemacht. Genau diese Last wollen die beiden ihnen nehmen. „Ich hoffe, dass die Kinder wissen und dass ihnen bewusst ist: Sie sind nicht schuld an der Situation“, sagt Lina Kimmich. „Ob du in eine gute Familie hineingeboren wirst, ist einfach Glück. Du hast Glück, wenn deine Eltern sich gut um dich kümmern. Wenn das nicht so ist, liegt das nicht am Kind, sondern an den Eltern. Die Kinder haben nichts falsch gemacht und doch verlieren sie oft alles.“
Auch mit ihren eigenen Kindern sprechen Lina und Joshua Kimmich über ihr Engagement, altersgerecht, aber bewusst. „Unsere Kinder wissen, dass nicht jedes Kind das Glück hat, in einer guten Familie zu leben“, sagt Lina Kimmich. Joshua Kimmich ergänzt: „Für mich ist es ganz, ganz wichtig, dass unsere Kinder damit aufwachsen. Dass sie sehen, dass ihre Eltern sich für etwas Gutes engagieren. Aber auch, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, dass es nicht selbstverständlich ist, wie sie selbst aufwachsen. Damit sie auch ein Gefühl dafür bekommen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Mama und Papa einen lieb haben.“
„Diese Kinder brauchen ein sicheres Zuhause“
Mit Unterstützung der RTL-Zuschauerinnen und Zuschauer soll das neue Kinderschutzhaus in München Wirklichkeit werden. Beim RTL-Spendenmarathon mit Wolfram Kons im November 2026 werden Lina und Joshua Kimmich ihr Herzensprojekt vorstellen. „Es geht darum, dem einzelnen Kind eine Perspektive zu geben. Aber es geht auch darum, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, damit es bei den Menschen ankommt und auch in der Politik. Dass sich nachhaltig etwas im System verändert. Damit es eben nicht so ist, dass die Kinder, die vermeintlich die Schwächsten in unserem System sind, darunter leiden“, sagt Joshua Kimmich. Lina Kimmich ergänzt: „Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, ein bisschen etwas im System zu verändern. Dass der Schutz von Kindern mehr gesehen und wichtiger wird. Und jetzt hoffe ich erst einmal, dass viel Geld zusammenkommt und wir diesen Kindern ein Haus bauen und ihnen ein Zuhause schenken können.“
Wolfram Kons, Vorstand der „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ ergänzt: „Der langjährige leidenschaftliche Einsatz von Lina und Joshua Kimmich für diese Kinder hat uns extrem beeindruckt. Daher wollen wir hier zusätzlich mit der RTL Stiftung die ‚Glaub An Dich Stiftung‘ in ihrer so wertvollen Arbeit nachhaltig unterstützen ein Doppelpass der Hilfe für Not leidende Kinder.“
Hintergrund
Im Großraum München zeigt sich seit einigen Jahren eine deutliche Veränderung in der Kinder- und Jugendhilfe: Kinder, die in Schutzstellen oder stationären Einrichtungen aufgenommen werden, sind jünger, belasteter und bringen zunehmend komplexe emotionale, soziale und psychische Herausforderungen mit. Gleichzeitig fehlen insbesondere für kleine Kinder geeignete Angebote, die Schutz, intensive Begleitung, therapeutische Anbindung und fundierte Perspektivklärung miteinander verbinden.
Mit dem „Glaub an Dich Haus“ soll im Großraum München ein heilpädagogisches Wohnhaus für mindestens sieben, perspektivisch bis zu neun Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren entstehen. Es richtet sich an besonders schutzbedürftige Mädchen und Jungen, die aufgrund belastender familiärer Situationen nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können und häufig zusätzliche Entwicklungs- oder seelische Belastungen mitbringen. Das Haus bietet ihnen rund um die Uhr Sicherheit, verlässliche Beziehungen und individuelle Förderung – mit kindgerechten Wohnbereichen, Therapie- und Förderräumen, Rückzugsorten sowie einem großen Außenbereich. Ein multiprofessionelles Team begleitet die Kinder auf ihrem Weg, unterstützt ihre emotionale und soziale Entwicklung und entwickelt gemeinsam mit Jugendämtern, Familien und Fachstellen langfristige Perspektiven. Das Projekt schafft dringend benötigte Plätze und soll eine große Versorgungslücke für junge Kinder in akuten Notlagen schließen.
Glaub An Dich Stiftung
Die Glaub An Dich Stiftung ist eine 2021 von Lina und Joshua Kimmich ins Leben gerufene Stiftung, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzt, bei denen die Bedingungen nicht ganz so einfach sind.
Die Stiftung unterstützt vor allem Einrichtungen in München, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern. Sie organisieren eigene Veranstaltungen und Projekte, um diesen Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Sport zu ermöglichen und versuchen zwischendurch immer wieder auch besondere Momente zu kreieren, die den Alltag ein bisschen schöner machen. Dabei ist es ganz egal ob es ein Tierpark- oder Kinobesuch ist, ein neuer Schulranzen der dringend gebraucht wird oder einfach ein Besuch, um die Kinder einen Tag lang abzulenken. Jeder schöne Moment, den die Kinder in Erinnerung behalten, zählt!
Zur weiteren Arbeit der Stiftung zählen auch die jährlichen Leichtathletikfeste für Schulklassen, an dem jedes Jahr rund 900 Schüler teilnehmen oder der Glaub an Dich Cup, ein Fußballturnier für Inklusionsmannschaften.
Seit zwei Jahren finden zudem in den bayrischen Oster- und Herbstferien kostenlose Schwimmkurse statt. Diese richten sich an Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Bisher konnten hier insgesamt schon mehr als 1000 Kinder teilnehmen.
All die Projekte stehen stets unter dem Motto: Glaub an Dich!
Der Kinderschutzbund München
Der Kinderschutzbund München setzt sich seit vielen Jahren für Kinder, Jugendliche und Familien in München ein. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen Schutz, Unterstützung und Stärkung von Kindern, besonders dann, wenn sie belastet sind oder Hilfe brauchen. Mit Beratung, Begleitung, Präventionsangeboten und konkreter Unterstützung im Alltag stehen wir Familien zur Seite und machen uns stark für eine Gesellschaft, in der Kinder sicher, gesund und mit guten Chancen aufwachsen können.
Wenn Kinder in akute Krisen geraten, brauchen sie vor allem eines: Schutz, Sicherheit und Menschen, die für sie da sind. Genau das bietet das Kinderschutzhaus des Kinderschutzbundes München. Es ist ein sicherer Ort für Kinder, die vorübergehend nicht zu Hause bleiben können. Hier werden sie aufgefangen, begleitet und gestärkt. Mit viel Fachlichkeit und Herz schaffen wir Stabilität in einer belastenden Zeit und entwickeln gemeinsam Perspektiven für die Zukunft.
„Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ und der RTL-Spendenmarathon
Seit 1996 engagiert sich RTL für Not leidende Kinder in Deutschland und der ganzen Welt Sämtliche Kosten für Personal, Produktion und Verwaltung, die rund um die „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ und den dazugehörenden RTL-Spendenmarathon entstehen, trägt RTL Deutschland. So fließt jeder Cent der gesammelten Gelder ohne Abzug in ausgewählte Kinderhilfsprojekte. Dafür stehen die Stiftung RTL und der RTL-Spendenmarathon, die längste Charity-Sendung im deutschen TV. Jedes Jahr wird die Stiftung durch das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) geprüft und trägt seit 2002 das begehrte DZI-Spendensiegel. In den vergangenen Jahren konnten mehr als 330 Millionen Euro gesammelt werden. Die „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ förderte damit hunderte Kinderhilfsprojekte. Hunderttausenden Not leidenden Kindern in Deutschland und aller Welt wurde so nachhaltig geholfen. Mehr Infos unter: www.rtlwirhelfenkindern.de
Interview mit Lina und Joshua Kimmich:
„Diese Kinder haben nichts falsch gemacht und doch verlieren sie oft alles!“
Fußballnationalspieler Joshua Kimmich und seine Frau Lina setzen sich mit ihrer „Glaub An Dich Stiftung” gemeinsam mit der „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ für den Bau eines neuen Kinderschutzhauses in München ein. Im Interview spricht das Ehepaar über erschütternde Kinderschicksale, fehlende Schutzplätze und warum sie ihren eigenen Kindern von ihrem Engagement erzählen.
Warum engagiert ihr euch gerade für ein Kinderschutzhaus?
Joshua Kimmich:
„Als wir von dem Thema Inobhutnahmen gehört haben, war uns ziemlich schnell klar, dass wir genau so etwas unterstützen wollen. Ich selbst kannte das Thema vorher gar nicht und wusste nicht, dass Kinder teilweise sofort aus ihrem zu Hause rausgenommen werden müssen, weil ihr Wohl gefährdet ist.
Wenn man dann hört, was diese Kinder teilweise zu Hause durchmachen, kann man sich das eigentlich gar nicht richtig vorstellen. Das ist hart. Aber gleichzeitig merkt man sofort: Hier wird Hilfe wirklich dringend gebraucht. Es ist etwas anderes, ein Sportfest zu veranstalten, Schwimmkurse anzubieten oder eine Weihnachtsfeier auszurichten. Das ist alles schön und wichtig für Kinder. Aber hier ist aktute Hilfe notwendig, weil die Kinder sonst auf sich allein gestellt sind – ohne Perspektive und vorallem in Gefahr.
Welche Schicksale haben euch besonders bewegt?
Lina Kimmich:
Es gibt eine Geschichte, die mich sehr beschäftigt. Das waren Geschwister, ein Junge und ein Mädchen. Sie sind bei ihren Eltern im Keller aufgewachsen – in einem dunklen Raum, ohne Licht. Sie waren noch nie draußen. Sie waren vier und sechs Jahre alt und konnten noch nicht einmal sprechen. Das ist unvorstellbar. Dass es so etwas wirklich gibt. Und dass es das auch in Deutschland gibt.
In einem weiteren Fall ging es um einen kleinen Jungen, der nur durch Zufall entdeckt wurde. Während Corona gab es eine Kontrolle wegen illegaler Partys. Dabei wurde er gefunden. Er lag in seinem Bett und um ihn herum waren Spritzen und andere gefährliche Dinge, die seine Mutter zu Hause hatte. Er war zwei Jahre alt. Normalerweise wäre niemand da hingegangen. Er wurde nur wegen dieser Kontrolle entdeckt und es war dringend notwendig, dass er da rauskommt.
Ihr habt auch von einem sehr aktuellen Fall erfahren. Was ist da passiert?
Lina Kimmich:
Ja, erst vor Kurzem haben wir von einem Fall gehört, bei dem eine Mutter sich gemeldet hat. Sie hatte durch Zufall in einem Gespräch mit ihrer zehnjährigen Tochter herausgefunden, dass ihr Mann, also der Vater des Kindes, die Tochter schon seit Jahren missbraucht hat.
Die Mutter hat das nicht mitbekommen. Ihr ist da auch kein Vorwurf zu machen, weil die Tochter nichts gesagt hat und wohl auch nichts sagen durfte. Und dann steht diese Mutter plötzlich vor einem Scherbenhaufen. Das ist ihr Mann und gleichzeitig der Mensch, der ihrer Tochter so etwas angetan hat. Das ist unfassbar, was da passiert - und man bekommt diese Dinge überhaupt nicht mit.
Joshua, was macht das mit dir, wenn du solche Geschichten hörst?
Joshua Kimmich:
Man fragt sich natürlich schon, wie so etwas passieren kann. Was dazu führt, dass Eltern ihre Kinder so vernachlässigen, misshandeln oder ihnen so etwas antun. Man fragt sich auch, ob das ein generelles Problem in unserer Gesellschaft ist oder ob es nur vereinzelt Familien betrifft.
Wichtig ist, dass man helfen kann. Und es ist traurig zu sehen, dass man in vielen Fällen eben nicht helfen kann, weil entsprechend die benötgten Plätze fehlen. In manchen Fällen kann man die Kinder in Obhut nehmen und versuchen, ihnen wieder ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen. Natürlich sind die meisten Kinder schwer traumatisiert und es ist schon sehr frustrierend zu sehen, dass wir es in einem Land wie Deutschland nicht hinbekommen, genügend Plätze und Möglichkeiten für diese Kinder zu schaffen.
Und was mich auch beschäftigt: Das Thema ist kaum sichtbar. Viele bekommen davon gar nichts mit. Wir kannten es vorher ja selbst nicht. Erst als wir uns damit beschäftigt haben, haben wir gespürt und gemerkt, wie wichtig es ist, hier zu unterstützen.
Warum braucht es dringend neue Schutzhäuser?
Lina Kimmich:
Der Bedarf ist einfach so groß. Für jedes einzelne Kind ist so ein Platz wichtig, weil es zu Hause Gewalt erlebt oder vernachlässigt wird. Aber es gibt viel zu wenig Schutzhäuser, zu wenig Einrichtungen und zu wenig Platz für diese Kinder.Und eigentlich müssten noch viel mehr von ihnen aus ihren Familien genommen werden. Und am Ende leiden genau die Kinder darunter, dass sie in Anführungszeichen bei ihren Familien bleiben müssen, weil es zu wenig Einrichtungen und zu wenig Raum gibt.
Hinzu kommt, dass Kinderschutz kein sehr präsentes Thema ist.. Es ist das auf der Straße nicht sichtbar und im Alltag bekommt man es nicht direkt mit. Man sieht vielleicht, wenn eine Stadt neue Straßen baut. Aber man sieht nicht die Kinder, die dringend ein sicheres Zuhause brauchen. Und ich finde, da muss sich im System etwas ändern.
Was soll in dem neuen Kinderschutzhaus entstehen?
Lina Kimmich:
Wir haben uns mit dem Kinderschutzbund München ausgetauscht und gefragt: Was wird wirklich benötigt? Uns wurde gesagt, dass es vor allem an Plätzen für Kinder fehlt, die schwer zu betreuen sind, die körperlich oder seelisch beeinträchtigt sind und die in vielen bestehenden Strukturen keinen passenden Platz finden, weil sie ein bisschen aus dem Raster fallen.
Und dann haben wir gesagt: Genau da wollen wir helfen. Wir wollen ja nicht einfach helfen, um irgendetwas zu machen. Wir wollen da helfen, wo der Bedarf wirklich hoch ist.
Wie sieht der Alltag für Kinder in einem Schutzhaus aus?
Lina Kimmich:
Der Alltag wird so normal wie möglich gestaltet. Es ist ja für die Kinder schon Veränderung genug, sobald sie aus ihrem Zuhause herausgenommen werden. Deshalb versucht man, dass der Rest möglichst normal weiterläuft.
Die Kinder gehen weiter in ihre Kita oder in ihre Schule. Manchmal haben sie dann eine weitere Anreise und auch hier muss der Transport sichergestellt sein. Es wird versucht, dass sie so wenig Veränderung wie möglich wahrnehmen. Und auch in den Ferien sollen sie etwas erleben können. Sie sollen, wie andere Kinder in der Schule auch, erzählen können, was sie gemacht haben – auch wenn sie nicht bei ihren Eltern waren. Deshalb versucht man, schöne Aktivitäten und auch Urlaube mit ihnen zu machen.
Viele Kinder schämen sich für das, was sie erlebt haben. Welche Botschaft möchtet ihr ihnen mitgeben?
Lina Kimmich:
Ich hoffe, dass die Kinder wissen und dass ihnen bewusst ist: Sie sind nicht schuld an der Situation. Ob du in eine gute Familie hineingeboren wirst, ist einfach Glück. Du hast Glück, wenn deine Eltern sich gut um dich kümmern. Wenn das nicht so ist, liegt das nicht am Kind, sondern an den Eltern. Die Kinder haben nichts falsch gemacht und doch verlieren sie oft alles. Und ich hoffe, dass ihnen genau das vermittelt wird.
Joshua Kimmich:
Ich glaube, das ist ein sehr sensibles Thema. Viele Kinder schaffen es nicht, sich zu öffnen. Deshalb müssen wir Mittel und Wege finden, ihnen Möglichkeiten zu geben, genau das zu tun – im Verein, in der Schule, im Freundeskreis.
Wichtig ist, dass man den Kindern nicht das Gefühl gibt, dass sie etwas falsch gemacht haben oder eine Schuld tragen. Wir müssen sie unterstützen, darüber zu sprechen. Und ich glaube, es ist auch in den Schulen wichtig, aufzuklären: Was ist in Ordnung und was ist nicht in Ordnung? Manche Eltern versuchen Kindern zu vermitteln, dass das, was sie ihnen antun, normal sei und dass sie mit niemandem darüber sprechen dürfen. Deshalb ist Aufklärung ganz, ganz wichtig.
Ihr nehmt euch viel Zeit für dieses Projekt. Warum ist es euch so wichtig?
Lina Kimmich:
Mir ist wichtig, dass wir versuchen, nachhaltig etwas zu ändern. Wir können den Kindern Ausflüge ermöglichen, und das ist schön. Aber neue Plätze zu schaffen, das verändert wirklich etwas. Das bleibt.
Für mich fühlt sich das auch nicht wie Aufwand an. Es ist etwas, das man gerne macht, weil man weiß, wofür man es macht.
Joshua Kimmich:
Wir setzen uns dafür ein, weil wir das Gefühl haben, dass wir wirklich etwas bewirken können. Dass wir Kinder glücklich machen können. Dass wir ihnen zeigen können, dass sie an sich selbst glauben müssen. Dass wir ihnen Perspektiven geben.
Es geht aber nicht nur darum, die Kinder direkt zu erreichen. Es geht auch darum, auf das Thema aufmerksam zu machen. Dass Menschen spüren, wie wichtig es ist. Und dass jeder zu Hause das Gefühl bekommt: Ich kann auch etwas machen, ich kann auch unterstützen. Wenn das gelingt, kann man gemeinsam viel bewirken und viele nachhaltige Projekte auf die Beine stellen.
Warum macht ihr eure Arbeit mit der Stiftung inzwischen öffentlicher?
Lina Kimmich:
Wir haben eigentlich im Stillen angefangen. Wir wollten einen Beitrag leisten, nicht damit andere es mitbekommen, sondern damit wir Kindern helfen. Dafür brauchten wir am Anfang keine Website, kein Instagram oder sonst etwas.
Aber mit der Zeit haben wir gemerkt: Wenn Menschen mitbekommen, was wir machen, ergeben sich daraus viele Dinge. Partnerschaften entstehen. Sponsoren kommen auf uns zu. Menschen erfahren von dem Thema und wollen mithelfen. Deshalb bringt es schon etwas, das Ganze öffentlich zu machen.
Warum sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer gerade dieses Projekt unterstützen?
Lina Kimmich:
Weil sie hier nachhaltig etwas bewirken können. In einer Inobhutnahme leben Kinder auf Zeit. Man schafft ihnen ein Zuhause – im besten Fall nur für ein paar Monate, bis sie zurück zu den Eltern können, in eine Pflegefamilie, eine Adoptivfamilie oder in eine Wohngruppe kommen.
Wir wollen eine Schutzstelle und eine Wohngruppe miteinander verbinden. Und in beiden Bereichen wird nachhaltig geholfen, weil den Kindern ein schönes und vor allem sicheres Zuhause gegeben wird.
Was ist euer großer Wunsch für die Zukunft?
Lina Kimmich:
Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, ein bisschen etwas im System zu verändern. Dass der Schutz von Kindern mehr gesehen und wichtiger wird. Und jetzt hoffe ich erst einmal, dass viel Geld zusammenkommt und wir diesen Kindern ein Haus bauen und ihnen ein zu Hause schenken können.
Joshua Kimmich:
Mich treibt an, dass man das einzelne Kind erreichen und ihm eine Perspektive geben kann. Aber es geht natürlich auch darum, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Dass es bei den Menschen ankommt – und auch in der Politik. Dass sich nachhaltig etwas im System verändert. Damit es eben nicht so ist, dass die Kinder, die vermeintlich die Schwächsten in unserem System sind, darunter leiden.
Erzählt ihr euren eigenen Kindern von eurem Engagement?
Lina Kimmich:
Ja, unsere Kinder bekommen schon mit, was wir machen. Sie kennen auch Kinder, die in diesen Häusern leben. Sie sind bei Veranstaltungen dabei, zum Beispiel bei Weihnachtsfeiern oder auch in den Inobhutnahmen.
Sie wissen nicht im Detail, warum diese Kinder aus ihren Familien herausmüssen. Ich erzähle ihnen natürlich nicht, dass ein Kind mit Spritzen im Bett lag oder geschlagen wurde. Aber sie wissen, dass nicht jedes Kind das Glück hat, in einer guten Familie zu leben.
Joshua Kimmich:
Bei uns sind Garage, Keller und Gartenhaus manchmal wie ein Lager – mit T-Shirts, Spielsachen, Trinkflaschen oder Geschenken für die Kinder in den Schutzhäusern. Unsere Kinder fragen dann natürlich auch mal: Was ist das? Kann ich das haben?
Dann versuchen wir zu erklären: Nein, das ist nicht für euch. Das ist für Kinder, denen wir damit eine Freude machen wollen.
Für mich ist es ganz, ganz wichtig, dass unsere Kinder damit aufwachsen. Dass sie sehen, dass ihre Eltern sich für etwas Gutes engagieren. Aber auch, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, dass es nicht selbstverständlich ist, wie sie selbst aufwachsen. Man ist manchmal in so einer Bubble unterwegs. Deshalb finde ich es wichtig, dass sie mitkommen, was außerhalb der Bubble passiert, dass sie die Kinder kennenlernen und dabei sind. Damit sie auch ein Gefühl dafür bekommen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Mama und Papa einen lieb haben.