“Man ist mit einem Bein im Recall – aber nur mit einem“
22. Staffel DSDS – was erwartet die Zuschauer?
Dieter Bohlen: “Was mich unheimlich freut, ist die Neugier meiner Fans. Ich sehe das jeden Tag auf Social Media. In den letzten Wochen kamen permanent Fragen: „Wann geht’s denn los?“ Bisher durfte ich das nie sagen, aber jetzt kann ich es: Es geht am 4. April los, also am Ostersamstag. Wir haben uns diesmal viele Gedanken gemacht, was wir ändern und optimieren können – vor allem: Was können wir spannender machen für die Zuschauer? Es wird zehn Folgen geben, aber sie werden anders sein als früher. Jeder Aufzeichnungstag endet mit Kandidaten, die es in den Recall geschafft haben. Am Ende jeder Sendung sitzen die Durchgekommenen im sogenannten ‘Golden Room‘. Dann wird noch einmal entschieden, wer wirklich weiter ist.
Wir wollten nicht mehr so viele Leute weiterlassen, dass am Ende 120 im Recall stehen und niemand mehr den Überblick hat. Das war auch für uns Juroren schwierig. Jetzt sitzen die Kandidaten am Ende im ‘Golden Room‘, Wackelkandidaten müssen noch einmal singen, und wir entscheiden noch am selben Abend endgültig, wer zu den TOP 30 gehört.“
Was verändert dieser Golden Room?
Dieter Bohlen: “Die Spannung ist größer. Wer von uns ein ‘Ja‘ bekommt, ist mit einem Bein im Recall – aber nur mit einem. Früher waren sie direkt drin. Jetzt müssen sie stundenlang ihre Konkurrenten anhören. Jeder, der weiterkommt, ist an diesem Tag ihr direkter Konkurrent. Viele müssen leider am Abend doch noch nach Hause gehen.
Es kann auch sein, dass zwei noch einmal gegeneinander antreten müssen, wenn wir uns nicht sicher sind. Zum Beispiel zwei Kandidatinnen, die sehr ähnlich sind oder das gleiche Genre bedienen. Dann müssen sie noch einmal singen und zeigen, was sie draufhaben.“
Die Jury ist wieder sehr unterschiedlich besetzt – unter anderem mit Bushido und der „Ballermann-Königin Isi Glück“. Warum diese Mischung?
Dieter Bohlen: “Das ist erforderlich. Wir bilden den gesamten Musikbereich ab. Jemanden vom Ballermann hatten wir bisher noch nie dabei, aber dort gibt es jedes Jahr große Hits. Das darf man nicht ausblenden. Mit Isi haben wir jemanden, die dieses Segment bestens kennt.
Jeder weiß, dass Bushido und ich nicht die größten Ballermann-Fans sind – das macht es spannend. Ich kannte Isi vorher nicht, und es war für mich interessant zu sehen, wie sich das Miteinander entwickelt. Ob Bushido und ich uns in die Haare kriegen – das wird man in den Sendungen sehen.“
Veränderung bei DSDS gehört dazu – ist das für dich Notwendigkeit oder Überzeugung?
Dieter Bohlen: “Wir alle Drei passen uns der Zeit an, weil wir damit auch erfolgreich sind! Man muss sich mit neuen musikalischen Strömungen befassen und den gesamten Musikmarkt im Blick haben. Ich höre mir täglich Neuerscheinungen an, bin bei Musikstreamern unterwegs und checke die Charts. Für mich war Musik nie nur ein Job, sondern immer große Leidenschaft. Ich bin dankbar, Musik machen zu dürfen. Natürlich verändert sich vieles. Aber es gibt auch Dinge wie Modern Talking, die bleiben konstant.“
Wie siehst du aktuelle musikalische Trends?
Dieter Bohlen: “Es gibt immer wieder neue Strömungen, zum Beispiel südamerikanische Musik von Bad Bunny oder Reggaeton. Spanisch fand ich immer eine tolle Sprache. Solche Trends können von einer Sekunde auf die andere weltweit groß werden.
Gleichzeitig gibt es Künstler mit Beständigkeit – Bruno Mars, Ed Sheeran oder auch Robbie Williams, der seit Jahrzehnten erfolgreich ist. Die Branche ist dynamisch. Jeden Freitag erscheinen bei allen Streamern zahlreiche Neuheiten – viele Namen hört man nie wieder, andere bleiben.
Ich habe mich auch sehr für Sarah Engels gefreut, die jetzt beim Eurovision Song Contest für uns antritt. Sie war Zweite bei DSDS und kann nun vor einem riesigen Publikum singen. Das finde ich toll.“
Du suchst seit vielen Jahren Talente. Was treibt dich an?
Dieter Bohlen: “Wenn ich dasitze, vergesse ich manchmal, wie alt ich bin. Uns trennen 50 Jahre Erfahrung, und die möchte ich nicht missen. Meist weiß ich nach wenigen Sekunden, ob ich jemanden gut finde. Ich versuche, den Kandidaten meine Erfahrung mitzugeben. Aber oft hören sie nicht auf gut gemeinte Tipps. Ich sage jedem Gewinner: ‘Halt das Geld zusammen, sei vorsichtig‘. Genützt hat das selten. Alexander Klaws ist da eine Ausnahme. Er ist Deutschlands Musicalstar Nummer eins, füllt regelmäßig die Neue Flora in Hamburg und ist sehr bodenständig geblieben. Auf ihn bin ich stolz.“
Wie hat dich DSDS persönlich verändert?
Dieter Bohlen: “RTL und DSDS haben mich nicht verändert. Man ist heute vielleicht vorsichtiger, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.
Die Branche ist hart. Streaming, Fernsehen, Film – da muss man eine dicke Haut haben. Wer sehr sensibel ist, sollte sich überlegen, ob er in dieses Geschäft will. Man muss gefestigt sein oder eine Familie hinter sich haben.
Daniel Küblböck zum Beispiel war, glaube ich, zu sensibel für diese Branche. Das hat mir damals sehr das Herz gebrochen.
Was wurde in dieser Staffel konkret gesucht?
Dieter Bohlen: “Dass es keine Altersgrenze gibt, finde ich gut. Diesmal haben sich wohl nicht viele Ältere beworben – oder sie wurden in der Vorjury aussortiert, das kann ich nicht beurteilen. Es waren jedenfalls keine 60- oder 70-Jährigen dabei, die weit gekommen sind.
Wichtig sind Ecken und Kanten, Personality. Nur ein kleiner, netter Junge zu sein, ist schwierig – auch wenn sich Alexander Klaws toll entwickelt hat. Wir machen Fernsehen, kein Radio. Es braucht Entertainmentqualität.“
Zum Schluss: Würdest du ohne DSDS heute ein anderer sein?
Dieter Bohlen: “Nein, das glaube ich nicht. Ich bin dankbar für die Erfahrungen. Es waren viele Künstler dabei, auf die ich stolz bin. Ein ‘Superstar‘ ist vielleicht ein großes Wort – aber wir haben viele gute Leute gefunden.“